Schnorcheln und Tauchen auf Ibiza: wo, wann und die Posidonia
Zum Schnorcheln auf Ibiza reichen eine Taucherbrille und eine Felsbucht: Cala Comte, Cala Bassa, Punta Galera, Cala d'Hort oder Cala Xarraca gehören zu den besten. Am wärmsten ist das Wasser von Juli bis Oktober, zwischen 24 und 27 °C. Zum Gerätetauchen gibt es auf der ganzen Insel Tauchbasen, mit Schnuppertauchen für Anfänger.
Das Erste, was fast jeder sagt, der auf Ibiza den Kopf ins Wasser steckt, ist immer dasselbe: „Man sieht den Boden, als gäbe es kein Wasser.“ Das ist weder Zufall noch Marketing: Es sind die Posidonia, der felsige Grund und ein Meer ohne Flüsse, die es trüben. Dieser Ratgeber zeigt dir, wo du die Brille aufsetzt, wann das Wasser am besten ist, wie du mit dem Tauchen anfängst und worauf du achten solltest, damit es so bleibt.
Schnorcheln auf Ibiza: warum das Wasser so klar ist
Die Erklärung hat einen Namen: Posidonia oceanica. Eine Blütenpflanze, endemisch im Mittelmeer, die auf Sandböden bis in mehrere Dutzend Meter Tiefe Wiesen bildet. Sie hält das Sediment fest, bremst die Wellen, reichert das Wasser mit Sauerstoff an (laut Fachliteratur bis zu 20 Liter pro Quadratmeter und Tag) und bietet Hunderten Arten Unterschlupf. Die abgestorbenen Blätter, die das Meer im Winter ans Ufer spült, sind kein Dreck: Sie schützen den Strand vor Erosion.
Zwischen Ibiza und Formentera liegt eine der am besten erhaltenen Seegraswiesen des Mittelmeers. Genetische Studien haben dort Posidonia-Klone gefunden, die kilometerweit den Boden bedecken und auf Zehntausende Jahre geschätzt werden: Sie gehören zu den größten und ältesten bekannten Lebewesen. Die Wiesen im Naturpark ses Salines gehören zur Welterbestätte „Ibiza, Biodiversität und Kultur“, die die UNESCO 1999 zusammen mit Dalt Vila und den phönizisch-punischen Fundstätten ausgewiesen hat. Die Geschichte dieser Anerkennung erzählen wir unter Geschichte und Kulturerbe Ibizas.
Für Schnorchler bedeutet das drei Landschaften: grüne Wiesen, die sich in der Strömung wiegen, weiße Sandflecken dazwischen und Felsen voller Leben an den Rändern der Buchten. Am spannendsten ist es meist dort, wo alle drei zusammentreffen.
Buchten zum Schnorcheln nach Gegend
Die goldene Regel: Such Buchten mit Felsen an den Seiten und geh über den Sand ins Wasser. Und achte auf den Wind, denn in einer unruhigen Bucht sieht man nichts. Bei Levante der Westen, bei Tramontana der Süden, bei Poniente der Osten.
Westküste (Sant Antoni und Sant Josep)
- Cala Comte: flache Felsen, Inselchen gegenüber und lichtdurchflutete Kanäle. Vorsicht mit der Strömung zwischen Küste und Inseln, die stark sein kann.
- Cala Bassa: Sandstrand in der Mitte und Felsen auf beiden Seiten, mit einfachem Grund und ruhigem Wasser. Gut für den Einstieg.
- Cala Salada und Cala Saladeta: sehr klares Wasser und Felswände, mit Posidonia in kurzer Entfernung.
- Punta Galera: Felsplattformen zum Einstieg ohne Sand und schnell abfallender Grund. Für sichere Schwimmer.
- Cala Gració und Cala Gracioneta: klein und nah an Sant Antoni, perfekt für eine Stunde vor dem Mittagessen.
- Cala Codolar: eine kleine Bucht zwischen Cala Tarida und Cala Comte mit Felsen an den Seiten, viel ruhiger als ihre Nachbarn.
Südwesten (Es Vedrà und Umgebung)
- Cala d'Hort: Schnorcheln mit Es Vedrà im Hintergrund. Abwechslungsreicher Grund aus Fels und Posidonia an den Seiten des Strands.
- Cala Llentrisca: abgelegen, mit Kieselsteinen und sehr sauberem Wasser. Erreichbar zu Fuß über einen Weg oder per Boot.
- Cala Moli: klein und geschützt zwischen Cala Tarida und Cala Vedella, mit Felsen an beiden Enden.
Süden (ses Salines)
- Sa Caleta: rötliche Felsen und flacher Grund neben der phönizischen Fundstätte. Gut für Kinder.
- Felsige Ränder von ses Salines und es Cavallet: an den Enden der Strände, über den Seegraswiesen des Naturparks.
Norden (Sant Joan und Sant Miquel)
- Cala Xarraca: weite Bucht mit Felsen und kleinen Höhlen. Bei Südwind sehr ruhig.
- Es Pas de s'Illa und Cala des Moltons: am Port de Sant Miquel, mit klarem Wasser und wenig Menschen, wenn du früh kommst.
- Port de Portinatx und Cala d'en Serra: felsiger Grund an der Nordspitze der Insel.
Osten (Santa Eulària und Sant Carles)
- Cala Mastella: winzig, von Pinien umgeben, mit Felsen auf beiden Seiten.
- Cala Boix: dunkler Sand und steiniger Grund, an Tagen ohne Levante sehr klar.
- Tagomago: die Insel vor Santa Eulària und Sant Carles, mit einigen der artenreichsten Gewässer der Insel. Nur per Boot.
Service, Zugänge und Anfahrt zu jeder Bucht findest du im Strandführer Ibiza.
Tauchen auf Ibiza: Tauchbasen, Schnuppertauchen und Brevets
Ibiza hat ein dichtes Netz von Tauchbasen in Sant Antoni, Sant Josep (Cala Vedella, Cala Tarida), Port de Sant Miquel, Santa Eulària und Ibiza-Stadt, die meisten von April bis Oktober geöffnet, einige ganzjährig. Sie arbeiten mit den üblichen internationalen Verbänden.
Die Möglichkeiten, von wenig zu mehr:
| Stufe | Was es ist | Übliche Tiefe |
|---|---|---|
| Schnuppertauchen | Geführter Einführungstauchgang ohne Brevet, mit Tauchlehrer an deiner Seite | Gering, nahe der Oberfläche |
| Einsteigerkurs (Open Water o. ä.) | Ein paar Tage mit Theorie, Pool oder ruhigem Wasser und Meer | Bis etwa 18 Meter |
| Fortgeschritten | Zweite Stufe, mit Tieftauchgängen und Navigation | Bis etwa 30 Meter |
| Tauchgänge für Brevetierte | Bootsausfahrten zu den Tauchplätzen der Insel | Je nach Brevet |
Schnuppertauchen wird je nach Verband ab 8 bis 10 Jahren angeboten. Vor dem Tauchen musst du einen medizinischen Fragebogen ausfüllen; bei Ohren-, Herz- oder Atemproblemen sprich vorher mit deinem Arzt. Und flieg nicht innerhalb von 24 Stunden nach einem Gerätetauchgang.
Bekannte Tauchplätze:
- Es Vedrà und es Vedranell: Steilwände, große Felsblöcke und reiche Fauna. Seit 2023 Meeresschutzgebiet, ebenso wie ses Bledes, die Inseln vor der Bucht von Sant Antoni.
- Es Freus zwischen Ibiza und Formentera: das älteste Meeresschutzgebiet der Pityusen (1999), mit über 13.000 Hektar Seegraswiesen, Felsriffen und Inselchen.
- Tagomago und die Nordostküste: Meeresschutzgebiet seit 2018, mit etwa 3.750 Hektar zwischen Punta des Jonc, s'Argamassa und der Insel.
- Das Wrack der Don Pedro: ein etwa 140 Meter langer Frachter, der im Juli 2007 beim Auslaufen aus dem Hafen von Ibiza sank. Er liegt zwischen etwa 26 und 47 Metern, also nur für Taucher mit fortgeschrittenem Brevet.
Wenn du lieber mit deiner Gruppe zu diesen Plätzen fährst und vom Boot aus schnorchelst, findest du Arten und Preise unter Bootsausflüge auf Ibiza.
Wassertemperatur nach Monaten
Das Meer der Pityusen steigt laut Consell de Formentera von etwa 15–16 °C im Winter auf 26–27 °C am Ende des Sommers. Diese Tabelle gibt eine Vorstellung Monat für Monat (Richtwerte; die echten Tageswerte veröffentlicht Puertos del Estado):
| Monat | Wasser (Richtwert) | Zum Schnorcheln |
|---|---|---|
| Januar – März | 14–15 °C | Mit dickem Neopren |
| April | 15–17 °C | Neopren |
| Mai | 17–20 °C | Shorty, sehr klares Wasser |
| Juni | 20–24 °C | Gut; frühmorgens noch frisch |
| Juli | 24–26 °C | Sehr gut |
| August | 26–27 °C | Am wärmsten; mehr Menschen und mal ein Quallentag |
| September | 25–27 °C | Die beste Kombination aus warmem Wasser und ruhigen Buchten |
| Oktober | 22–24 °C | Sehr gut, mit weniger Booten |
| November – Dezember | 17–20 °C | Neopren |
September und Oktober sind das Geheimnis der Einheimischen: Das Meer hat die ganze Wärme des Sommers gespeichert, und die Buchten haben sich geleert. Wenn du in der Nebensaison kommen willst, schau unter beste Reisezeit für Ibiza.
Sicherheit: Boje, Boote, Strömungen und Quallen
Markierungsboje. Wenn du dich vom Ufer entfernst, nimm eine knallfarbene Boje mit, an der Hüfte befestigt. Sie zeigt Booten, dass jemand im Wasser ist, und gibt dir Halt, wenn du müde wirst. Die beste Investition eines Schnorchelurlaubs.
Boote. Im Sommer füllen sich die Buchten mit ein- und ausfahrenden Motorbooten. Die markierten Badezonen (gelbe Bojen) sind für Boote gesperrt, aber außerhalb davon sei vorsichtig: Durchquer keine Buchteinfahrten oder Fahrrinnen, durch die Boote fahren.
Strömungen und Wind. Zwischen Küste und Inseln und an den Kaps kann die Strömung stark sein. Schwimm am Anfang dagegen, damit du mit ihr zurückkommst. Wenn Wind in die Bucht drückt, wird das Wasser trüb und die Wellen stören: Wechsel die Küste.
Quallen. In manchen Sommern tauchen sie auf, vor allem die Leuchtqualle (Pelagia noctiluca), die ziemlich brennt. Wenn du gestochen wirst: Raus aus dem Wasser, mit Meerwasser abspülen (nicht mit Süßwasser), nicht reiben, Reste mit einer Pinzette entfernen und kühlen. Bei starker Reaktion ins Gesundheitszentrum. Die Reiseapotheke findest du unter Notdienst-Apotheken auf Ibiza.
Sonne. Eine Stunde mit dem Rücken zur Sonne im Wasser treiben, und du verbrennst, ohne es zu merken. Ein Lycra-Shirt ist wirksamer als jede Sonnencreme.
Notfälle. Die 112 hilft auch auf See und koordiniert mit Salvamento Marítimo, das eine eigene Notrufnummer hat, die 900 202 202.
Schutzregeln: schauen, nicht anfassen
Im Wasser Ibizas gilt eine einfache Regel: Schauen, nicht anfassen, nichts mitnehmen.
- Tritt nicht auf die Posidonia und reiß sie nicht aus. Sie ist auf den Balearen geschützt, und genauso darf man nicht auf ihr ankern.
- Fass keine Steckmuscheln an. Die Edle Steckmuschel (Pinna nobilis), die große Muschel, die aus dem Grund ragt, ist nach einem Massensterben im Mittelmeer seit 2016 vom Aussterben bedroht. Wenn du eine lebende siehst, ist das ein Schatz: Halt Abstand.
- Nimm keine Seeigel, Seesterne oder bewohnten Muscheln mit, und füttere die Fische nicht.
- Vorsicht mit den Flossen in Grund- und Felsnähe: Ein Tritt zerstört in Sekunden, was Jahre zum Wachsen braucht.
- Keine Harpune ohne Lizenz. Die Unterwasserjagd hat eigene Regeln und ist in den Meeresschutzgebieten verboten.
- Wenn du mit dem Boot unterwegs bist, ankere nicht auf Posidonia: Sand oder Boje. Bußgelder und die übrigen Regeln unter Regeln auf Ibiza für Touristen.
Ausrüstung und typische Fehler
Was du brauchst: eine gut sitzende Taucherbrille (probier sie im Laden ohne Band auf und zieh die Luft durch die Nase ein), Schnorchel, Flossen, wenn du dich weiter entfernen willst, ein Lycra-Shirt und eine Boje. Vollgesichtsmasken sind bequem zum Schauen, taugen aber nicht zum Abtauchen und können, wenn sie nicht hochwertig sind, verbrauchte Luft ansammeln; wenn du eine nutzt, dann zum ruhigen Treibenlassen.
Typische Fehler:
- Die falsche Bucht für den Wind des Tages wählen. Trübes Wasser und Wellen: Schau vor der Abfahrt auf den Wetterbericht.
- Mitten am Strand schnorcheln. Sand allein ist eine Wüste: Das Schöne liegt an den Felsen.
- Sich ohne Boje entfernen in Buchten mit Bootsverkehr.
- Im August bis mittags warten. Besser frühmorgens: weniger Menschen, weniger Boote und das klarste Licht.
- Alles anfassen. Das Foto mit dem Seestern außerhalb des Wassers bringt ihn um.
Quellen und offizielle Informationen
- Formentera.es (Consell de Formentera) · Meerestemperatur und Inseldaten
- Puertos del Estado · Meeresvorhersage und -daten (Wassertemperatur)
- Govern de les Illes Balears · Meeresschutzgebiete: Regelung der Aktivitäten
- Formentera.es · Meeresschutzgebiet es Freus
- Wikipedia · Ibiza, biodiversidad y cultura (Welterbe, 1999)
- Wikipedia · Posidonia oceanica
- Salvamento Marítimo · Notfälle auf See
Häufige Fragen
Wo kann man auf Ibiza schnorcheln?
In Buchten mit Felsen an den Seiten: im Westen Cala Comte, Cala Bassa, Cala Salada oder Punta Galera; im Südwesten Cala d'Hort gegenüber von Es Vedrà; im Norden Cala Xarraca und Port de Sant Miquel; im Osten Cala Mastella und Cala Boix. Wähl die Küste, die am jeweiligen Tag vor dem Wind geschützt ist.
Wann ist das Wasser auf Ibiza am wärmsten?
Von Juli bis Oktober. Im August und September erreicht das Meer etwa 26–27 °C, und im Oktober liegt es meist noch über 22. Im Winter sinkt es auf etwa 14–16 °C, zum Schnorcheln von November bis Mai braucht man also Neopren. Der September verbindet warmes Wasser mit viel ruhigeren Buchten.
Braucht man auf Ibiza ein Brevet zum Tauchen?
Fürs Schnuppertauchen nicht: Das ist ein geführter Einführungstauchgang mit Tauchlehrer, je nach Verband ab 8–10 Jahren. Für normale Tauchgänge brauchst du ein Brevet, etwa Open Water, das du in ein paar Tagen bei den Tauchbasen der Insel machen kannst. In den Meeresschutzgebieten braucht man außerdem eine Genehmigung der Regierung, die die Basen beantragen.
Was ist Posidonia und warum ist sie wichtig?
Posidonia oceanica ist eine Meerespflanze, keine Alge, die auf dem Grund des Mittelmeers Wiesen bildet. Sie reichert das Wasser mit Sauerstoff an, hält den Sand fest, bremst die Wellen und bietet Hunderten Arten Unterschlupf. Die Wiesen zwischen Ibiza und Formentera sind seit 1999 Welterbe, und auf ihnen zu ankern ist verboten.
Gibt es auf Ibiza Quallen?
In manchen Sommern ja, je nach Wind und Strömung, vor allem die Leuchtqualle. Meist bleiben sie nicht viele Tage am selben Strand. Wenn du gestochen wirst, geh aus dem Wasser, spül mit Meerwasser, reib nicht, entfern Reste mit einer Pinzette und kühl die Stelle. Bei starker Reaktion geh ins Gesundheitszentrum.
Kann man auf Ibiza im Winter schnorcheln?
Ja, mit einem Neoprenanzug von mindestens 5 Millimetern, denn das Wasser sinkt auf etwa 14–16 °C. Im Winter ist das Meer meist sehr klar und die Buchten leer, aber es gibt mehr Tage mit Wind und Wellen. Wähl ruhige Tage, geh nicht allein und rechne damit, dass an den Stränden keine Rettungsschwimmer sind.
